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„Ich weiß genau, wie es nicht geht“

Kölns Geschäftsführer Armin Veh spricht über die Aufstiegschancen der Rheinländer – und darüber, wie schwer planbar doch Erfolg ist

Warum ist der 1. FC Köln in der kommenden Saison auf jeden Fall wieder erstklassig?

Armin Veh: Diese Frage stellt sich nicht für mich. Denn ein Sportler würde nie so denken. Er würde nie sagen, wir schaffen das hundertprozentig. Im Fußball ist vieles planbar, aber eben nicht zu hundert Prozent. Und auch nicht zu neunzig oder achtzig. Das hat nichts mit Understatement zu tun. Aber damit, dass es so viele Unwägbarkeiten gibt. Andererseits glaube ich fest daran, dass wir es schaffen.

Ist der Aufstieg – vor allem finanziell – ein Muss?

Veh: Natürlich könnte der 1. FC Köln eine zweite Saison in der Zweiten Liga überleben. Oder sogar eine dritte. Die Welt bei uns würde nicht untergehen, sollten wir es nicht schaffen in diesem Jahr. Das ist aber nicht unser Anspruch – unser Ziel ist, am Ende der Saison in die Bundesliga zurückzukehren.

Wie viel Geld müsste der Verein investieren, um im Aufstiegsfall den Klassenverbleib 2019/20 zu sichern?

Veh: Die Frage ist gut. Aber erst mal geht es darum, den ersten Schritt zu schaffen und dann den zweiten zu denken. Was das Budget angeht, wäre das im Aufstiegsfall – mit einem anderen Umsatz – natürlich anders.

Wie lange vorher muss man den Status A oder den Status B planen?

Veh: Der Prozess der Personalplanung läuft immer. Das hört nie auf. Schwierig ist es immer dann, wenn du nicht planen kannst, in welcher Liga du spielst. Im Prinzip musst du sagen: Schaffen wir es diesmal nicht, brauchst du eine Mannschaft, die es eine Saison später schafft. Du brauchst aber auch eine Mannschaft, die, wenn du aufsteigst, drin bleibt.

Wie weit ist der FC bei diesen Planungen?

Veh: Mit Johannes Geis und Florian Kainz aktuell und Kingsley Schindler, der im Sommer ablösefrei kommt, haben wir schon viel getan. Der Kader wird sich nicht in dem Maß ändern, dass wir zehn Neue holen und zehn Spieler abgeben. Es wird keinen radikalen Schnitt geben.

War es ein zu großes Risiko, Anthony Modeste unter ungewissen Vorzeichen zurückzuholen?

Veh: Für uns war es eine Riesenchance. Und: Es ist auf jeden Fall mehr Chance als Risiko, denn es ist eine Investition in die Zukunft. Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand.

2019 könnte ein richtungweisendes Jahr für den FC werden – mit der möglichen Rückkehr in die Bundesliga, mit einem neuen oder veränderten Präsidium ….

Veh: Das sind Hypothesen. Natürlich ist es für meinen Geschäftsführerkollegen Alexander Wehrle und mich bedeutend zu wissen, mit wem wir zusammenarbeiten. Ganz wichtig wird sein, dass es in einem großen Klub wie dem 1. FC Köln keine Unstimmigkeiten und keine Querelen gibt. Wenn es keine Loyalität untereinander gibt, wird es für jeden Verein schwierig. Vertrauen in die handelnden Personen gehört genauso dazu wie hin und wieder kritische Töne. Die müssen aber immer intern bleiben. Nur so kannst du professionell arbeiten. Wenn das nicht der Fall ist – das lehrt mich meine Erfahrung –, endet es meistens schlecht. Ich weiß nicht immer genau, wie es geht. Aber ich weiß ganz genau, wie es nicht geht.

Immer wieder taucht beim FC der Name Lukas Podolski auf. Denkbar, dass er irgendwann zurückkommt?

Veh: Das wurde ich schon so oft gefragt, aber das ist ein Thema, das derzeit nicht aktuell ist.

Wo sehen Sie den 1. FC Köln in fünf Jahren?

Veh: Weil ich keine hellseherischen Fähigkeiten habe, kann ich das nicht sagen. Aber wir kämpfen darum, den 1. FC Köln dorthin zu bringen, wo er hingehört: in die Bundesliga. Das wollen wir. Und wir wollen eine Mannschaft haben, die ordentlich Fußball spielt. Mit der sich die Zuschauer identifizieren können. Armin Veh, 57, in Augsburg geboren, ist seit Dezember 2017 Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln. 2. BUNDESLIGA